48 % scheitern am Versand. Brüssel hat im Juli drei Euro draufgeschlagen.
32 Prozent der deutschen Verbraucher kaufen monatlich bei Anbietern im Ausland, 48 Prozent nennen die Versandkosten als Kaufabbruchgrund – erhoben im ersten Quartal. Seit dem 1. Juli erhebt die EU drei Euro pro Produktkategorie auf Pakete unter 150 Euro, und die meisten Checkouts nennen den Gesamtbetrag noch immer nicht.
Sir John Crabstone
32 Prozent der deutschen Verbraucher kaufen mindestens einmal im Monat bei einem Anbieter im Ausland. 48 Prozent sagen, die Versandkosten hielten sie davon ab, 44 Prozent nennen zu lange Lieferzeiten. Von einem Nachfrageproblem ist da nirgends die Rede – die deutschen Kundinnen und Kunden wollen die Ware längst, sie scheitern erst auf der anderen Seite des Checkouts. Die Zahlen erreichten die Branche über einen als Partnerinhalt gekennzeichneten FashionUnited-Artikel, platziert von genau dem Anbieter, dessen Daten es sind.
Der Anbieter ist ESW, die Studie heißt Signals 2026: 23.251 befragte Käuferinnen und Käufer in achtzehn Märkten, erhoben im ersten Quartal. Global liegt regelmäßiges grenzüberschreitendes Einkaufen bei einem von fünf, und als häufigster Grund für den Kaufabbruch gelten hohe Versandkosten mit 46 Prozent. Deutschland kauft häufiger als der globale Schnitt, und der eigene Einwand gegen die Versandkosten liegt mit 48 gegenüber 46 Prozent noch zwei Punkte höher. Die Reibung bremst die Gewohnheit nicht – sie besteuert sie.
Noch nie ist ein Warenkorb an einer zu schwachen Produktempfehlung gescheitert.
Seit dem 1. Juli hat sich die Rechnung geändert. Pakete unter 150 Euro, die in die EU eingeführt werden, tragen jetzt eine Pauschalabgabe von 3 Euro, erhoben pro Produktkategorie und nicht pro Paket. Ein Karton mit einer Seidenbluse und einer Wollbluse zahlt zweimal. Im ersten Quartal nannten 36 Prozent der deutschen Befragten Zölle und Steuern als Kaufhindernis – zu einem Zeitpunkt, an dem ein Paket dieser Größe noch überhaupt keine Abgabe trug. Die Umfrage wurde seither nicht wiederholt, und ein neuerer Wert würde nicht besser ausfallen. Wer diese Zahl heute noch zitiert, wirbt mit einem Rabatt, den es nicht mehr gibt.
Die Checkout-Forschung sagt das seit Jahren. Die nach Häufigkeit sortierten Abbruchgründe von Baymard, gewonnen aus der laufenden Untersuchung amerikanischer Online-Käufer, werden mit 40 Prozent von Zusatzkosten angeführt – Versand, Steuern, Gebühren –, weitere 12 Prozent konnten die Gesamtsumme der Bestellung im Voraus nicht sehen oder berechnen. Nur der erste Punkt ist ein Preisproblem; der zweite ist ein Bildschirm, der die Summe kannte und sie einfach nicht anzeigte. Deutsche Checkouts teilen den zweiten Fehler, ganz ohne dass man ihnen die erste Zahl übersetzen müsste.
Was die deutsche Kundschaft braucht, ist eine einzige Zahl vor dem Kaufabschluss: Artikel, Versand, Steuer, Zoll und ein Lieferdatum, das die Marke auch einhält. Jede dieser Angaben liegt bereits im Unternehmen vor. Die Zolltarifnummer steht im Produktdatensatz, weil der Zoll sie verlangt, die Lieferzeit steht im Vertrag mit dem Frachtführer. Diese Angaben zu einer einzigen Zahl zusammenzuführen ist unglamouröse Arbeit mit messbarem Ertrag – weshalb ihr Budget Jahr für Jahr an die Empfehlungsebene verloren geht. Wer wegen einer unsichtbaren Zollgebühr abspringt, gibt der Marke die Schuld, nicht Brüssel.
Shopping-Agenten scheitern schon daran, zwei Gutscheine auf einen Warenkorb anzuwenden, wie wir heute Morgen berichtet haben. Eine Zollgebühr zu beziffern ist im Vergleich reine Grundrechenart.
ESW nimmt seinen Kunden die Komplexität der Zollabwicklung längst ab; die Ankündigung, die man sich im Juli aussuchte, war eine Integration mit Microsoft Copilot, unter Berufung auf McKinseys Prognose von drei bis fünf Billionen Dollar bis 2030. Drei Billionen für die Entdeckungsebene – und drei Euro, die die meisten Checkouts immer noch nicht ausweisen.
Ein Assistent kann einer Kundin in Hamburg sagen, was sie sich wünschen soll. Was der Mantel am Ende wirklich kostet, bleibt für später.