Showroomprivé wurde nicht überboten. Es wurde unterboten.
Showroomprivé schloss 2025 mit einem Nettoverlust von 31 Mio. € und einem Umsatzrückgang von 13,5 %. Die Crabstone-Einschätzung: Das europäische Flash-Sale-Format läuft gegen Shein, Vinted und TikTok Shop aus dem Margenspielraum — das war kein einzelnes schlechtes Jahr.
Sir John Crabstone
Showroomprivé schloss das Jahr 2025 mit einem Nettoverlust von 31 Mio. € bei einem Umsatz von 559 Mio. € ab — 13,5 % weniger als im Vorjahr. Ein Flash-Sale-Anbieter, der einst mit Markenüberschüssen Geld verdiente, zahlt nun drauf, um sie loszuwerden. Das Format ist nicht gescheitert, weil Showroomprivé es schlecht geführt hat — es ist gescheitert, weil günstigere Anbieter Rabatt besser beherrschen.
Der GMV sank um 10,6 % auf 893 Mio. €, das EBITDA landete bei -27,7 Mio. €, und das Unternehmen hat im Rahmen eines Schlichtungsverfahrens vom Januar Bankverbindlichkeiten von 40 Mio. € um zwei Jahre gestreckt. Die Lagerbestände sanken um 29 % auf 52 Mio. € — auf dem Weg gegen null. Diese letzte Zahl ist öffentlich durchgeführtes Haushalten, und sie ist die aussagekräftigste Zahl im gesamten Bericht.
Außerhalb des Berichts: Vinted übernahm 2025 die Spitze der französischen Textilrankings — vor Amazon, Kiabi, Shein und Zalando, laut Daten des Institut Français de la Mode. Shein und Temu hielten den französischen Preisboden bei rund 9 € pro Artikel. Showroomprivé kann diesen Boden nicht unterbieten, ohne die eigene Bruttomarge zu opfern — und kann nicht darüber bleiben, ohne den Schnäppchenkäufer zu verlieren. Der Preis, gegen den das Unternehmen angetreten ist, existiert in dieser Form nicht mehr.
Das gesamteuropäische Flash-Sale-Modell brauchte Skalierung, um mit Marken zu verhandeln; der Wettbewerb ist inzwischen in Formate abgewandert, die gar nicht verhandeln müssen. Vinted besitzt die Kleiderschränke, für die Verbraucher bereits bezahlt haben. Shein besitzt die Fabrik. TikTok Shop besitzt den Feed. Keiner der drei braucht Showroomprivés ausgehandelten Rabatt, um günstig zu sein — und keiner trägt das Lagerrisiko, das Showroomprivé noch immer stemmt.
David Dayan bezeichnet die nächste Phase als „tiefgreifende Transformation” hin zu einem „profitableren Media-Commerce-Modell”; bis zu 121 Stellen — elf Prozent der Belegschaft — sollen im zweiten Quartal abgebaut werden. Ein Flash-Sale-Unternehmen, das sich zum Media-Commerce-Unternehmen wandelt, kündigt damit an, künftig Aufmerksamkeit statt Kleidung zu verkaufen. Ob Aufmerksamkeit zahlt, wo Überschüsse aufgehört haben zu zahlen, ist die Frage für 2026.